“Arbeiten und Wohnen in der Stadt der Zukunft” – zu welchen Ergebnissen eine Diskussion in Adlershof kommt

Taugt Adlershof zum Vorbild für Produktionsstandorte? © WISTA-MANAGEMENT GMBH – www.adlershof.de

Wie sieht die Zukunft der wachsenden Stadt aus? Folgt man der allgemeinen Expertenmeinung, dann wird diese vor allem dichter werden (müssen). Das wird auch für Berlin bedeuten, dass Wohnen und Arbeiten sich immer näher kommen. Die Konsequenz: die Flächenkonkurrenz nimmt zu, Konflikte entstehen und Flächenpreise steigen. Um zu diskutieren, in welche Richtung die Reise geht und wo Industrie und Handwerk morgen noch Flächen für Expansion und Ansiedlung finden, luden DGB, IG-Metall, IHK, der UVB und die WISTA-Management GmbH zu einem Podiumsgespräch nach Adlershof ein.

Die versammelten Experten machten zunächst eine solide Rechnung auf: Die vorhandenen Gewerbeflächen reichen demnach für 70.000 – 80.000 neue Arbeitsplätze – für die wachsende Bevölkerung in Berlin sollten es jedoch bis 2030 schon mindestens 210.000 neue Jobs sein. Mit seiner Hochschullandschaft und der hohen Kompetenz im Bereich der Digitalwirtschaft biete der Wirtschaftsstandort Berlin auch beste Ausgangsbedingungen. Allerdings: Dieses Potenzial könne nur ausgeschöpft werden, wenn die freien Flächen verfügbar gemacht, ein digitales Kataster für Gewerbeflächen erstellt  – und vor allem neue Ansätze für mehr Dichte und ein besseres Miteinander von Gewerbe und Wohnen entwickelt werden.

Dialog und konstruktive Strukturpolitik

Für das urbane Miteinander von Arbeiten und Wohnen werden in Berlin bereits gute Beispiele gesehen: Die Erweiterungen des BMW-Werks in Spandau und der Gasturbinenproduktion von Siemens in Moabit seien nach anfänglichem Widerstand der umliegenden Wohnbevölkerung auch mit Hilfe eines aktiven Dialogprozesses gelungen. Gefordert wird zudem ein klares Signal für die Sicherung der Gewerbestandorte: Aktive Strukturpolitik für mehr Planungssicherheit für die Unternehmen müssen hier den Interessen der (Wohn-)Immobilienwirtschaft entgegengesetzt werden.

Denn: Die industrielle Fertigung muss unbedingt in der Stadt gehalten werden, ist doch die Aufgabe von Produktionsstandorten und die Konzentration auf Büro- und Dienstleistungsstandorte ein Risiko. Das aktuelle Beispiel von Bombardier in Hennigsdorf nördlich von Berlin zeigt nach Einschätzung der IG Metall: Ein Konzernstandort nur für Dienstleistungen und ohne Produktion sei in seiner Existenz deutlich stärker bedroht, als ein integrierter Standort mit Fertigung.

Profilierung sichert Produktionsstandorte

Ein weiterer Faktor für den Erfolg von Gewerbestandorten, ihre Erhaltung, Stärkung und Akzeptanz sei das richtige Story-Telling, wie UVB-Geschäftsführer Sven Weickert herausstrich: Ähnlich wie bei der Marke „Adlershof“ seien Kombinationen aus Hochschulstandort und Zukunftstechnologien mit ihrer „integrativen Ausstrahlung von Wirtschaft und Wissenschaft“ erfolgsversprechend. Dies könne dem veralteten Bild von Industrie – Schornsteinschlote, Lieferverkehr und Parkplatznot – etwas entgegensetzen. Wichtige Zukunftscluster wie Gesundheitswirtschaft und IT wären von diesem Bild bereits heute denkbar weit entfernt.

Ein Problem wird dabei in der häufig fehlenden Verknüpfung der eher kleinen Berliner Unternehmen mit den Hochschulen gesehen. Hier fehle in vielen Fällen die Vorstellung welcher Mehrwert in derartigen Kooperationen liege. Dabei hätten kleinteilige Gewerbestandorte wie die Motzener Straße oder die Herzbergstraße durchaus das Potenzial als „Zukunftsorte“ wahrgenommen zu werden: Auch hier sind zahlreiche kleine Firmen mit innovativen und zukunftsfähigen Geschäftsmodellen ansässig.

Nach dem Podiumsgespräch, dann in kleinerer Runde am Stehtisch, knüpfte das Gespräch nochmal an diesen Punkt an: Ein wirksames Instrument um eine solche „Geschichte“ eines Standorts zu erzählen seien Unternehmensnetzwerke, wie sie inzwischen an zahlreichen Berliner Gewerbestandorten bestehen. Durch den Zusammenschluss mehrerer Unternehmen zu einer größeren Organisation mit einer spezifischen Marke und Ausrichtung, könnten auch die Kleinen ihren Positionen Geltung verschaffen und ihre Standorte sichern.

Die engagierte Diskussion am Erfolgsstandort Adlershof zeigte einmal mehr: Die Ausgangslage ist ebenso klar wie schwierig, die Herausforderungen sind offenkundig und der notwendige Spagat breit. Nun gilt es die vorhandenen Bausteine weiter auszuformen und zu einem integrierten Lösungsansatz zu verknüpfen. Gefragt ist Mut zu neuen Ideen – jedoch ohne sich von den regionalwirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu lösen.  

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