Tesla Gigafactory – warum der Visionär nach Brandenburg kommt

Ladestation von Tesla
Ladestation von Tesla

Überraschend hat Tesla diese Woche verkündet, ihre vierte Gigafactory zur Produktion von Batterien, Antriebssträngen und Elektrofahrzeugen im Berliner Umland zu bauen. Wenn alles glatt geht, soll die Eröffnung schon 2021 ins Haus stehen – dabei ist bis heute Morgen noch nicht einmal der genaue Standort innerhalb der Gemeinde Grünheide/Mark in der Presse aufgetaucht.

Nach einem Blick auf die B-Pläne der Gemeinde, die im örtlichen Geoportal einzusehen sind, wird schnell deutlich: Die neue Produktionsstätte von Tesla wird nördlich des Güterverkehrszentrums Freienbrink, entlang der Autobahn A10 (dem Berliner Ring) entstehen. Obwohl hier bislang nur Wald zu sehen ist, ist das Gebiet bereits als Industriegebiet beplant. Der entsprechende Bebauungsplan (B-Plan Nr. 13 Freienbrink-Nord) ist seit 2004 in Kraft, als der Standort für die Ansiedlung eines BMW-Werks im Gespräch war. Auch deshalb dürfte Tesla davon ausgehen, dass eine kurze Planungsphase und der baldige Baubeginn möglich ist.

Der Tesla-Standort in der Gemeinde Grünheide/Mark: Ideale Anbindung an Autobahn und Schiene. Für eine vergrößerte Ansicht anklicken. Graphik: regioconsult.

Ein Blick auf die Karte verrät auch gleich, warum der federführende SPD-Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg, Jörg Steinbach, von metaphorischem “Goldstaub” spricht, wenn er den Standort beschreibt: Neben der direkten Autobahnanbindung besteht auch ein Gleisanschluss. Für Mitarbeiter müsste die S-Bahn-Linie S3 von ihrem Endhalt in Erkner nur um wenige Kilometer entlang der Eisenbahnstrecke nach Frankfurt/Oder verlängert werden. Bei geplanten 7.000 bis 10.000 Tesla-Beschäftigten durchaus ein erwägenswertes Projekt.

Das Güterverkehrszentrum (GVZ) Freienbrink grenzt im Süden an das Tesla-Gelände, womit auch die Logistik rund um den neuen Produktionsort mit seinen zahlreichen Zulieferunternehmen, effizient abzuwickeln sein wird. Heute nutzen das Gelände insbesondere große Lebensmittel-Einzelhändler (Edeka und Lidl), die hier regionale Verteilzentren betreiben. Raum für weitere Logistik-Ansiedlungen ist reichlich vorhanden.

Das als Industriegebiet beplante Gelände “Freienbrink-Nord” umfasst 300 Hektar. Es ist davon auszugehen, dass nicht die gesamte Fläche von Anfang an bebaut wird, schließlich soll auch die Mitarbeiterzahl erst allmählich von etwa 3.000 auf dann bis zu 10.000 ansteigen. Im anzunehmenden Endausbau wären demnach aber 300m² Fläche pro Mitarbeiter vorhanden – ein Hinweis auf den hohen Automatisierungsgrad in der Gigafactory.

Der Großraum Berlin-Brandenburg aus Tesla-Perspektive: Zahlreiche Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Bereich Automotive und verwandten Bereichen machen die Region attraktiv. Anklicken für eine vergrößerte Ansicht. Graphik: regioconsult.

Auch ein Blick auf die weitere Standortumgebung (obenstehende Karte) lässt erahnen, wie die Entscheidung für Grünheide/Mark zustande kam. Die in der Presse sogleich verbreitete Behauptung, Berlin hätte mit der Ansiedlung nichts zu tun, ist allerdings nicht ganz richtig:

In und um Berlin sind zahlreiche Unternehmen der Automotive- und verwandter Branchen angesiedelt. Hinzu kommen Forschungs- und Entwicklungsstandorte wie Adlershof, der Euref-Campus für Elektromobilität oder die Planungen rund um Siemensstadt und die Urban Tech Republic. Zusammen entsteht so das Bild eines breit aufgestellten Clusters für (Elektro-) Mobilität.

Und wenn dann im kommenden Jahr auch noch der BER ans Netz geht, dauert es auch nur noch 20 Minuten von der Gigafactory bis zum Flughafen.

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