Profilierung hilft: Welche Maßnahmen die Bekanntheit von Gewerbestandorten erhöhen

Ein zentrales Ziel der Förderung von Regionalmanagements, Unternehmensnetzwerken und Maßnahmen zur Standortprofilierung ist die Stärkung der jeweiligen Marke, also auch die Erhöhung des Bekanntheitsgrads der Gewerbestandorte. Wirken diese Instrumente?

Die Gewerbestandorte in Berlin sind von zentraler Bedeutung für die Entfaltung des Produzierenden Gewerbes der Stadt, das zur nominalen Bruttowertschöpfung im Jahr 2015 immerhin 16% beitrug.[1]

Die Standorte unterscheiden sich in ihrer Ausgangssituation teilweise deutlich voneinander und bieten dadurch den verschiedenen Branchen unterschiedliche Standortbedingungen. Aber nicht nur Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes sind hier ansässig, sondern auch Betriebe aus zahlreichen anderen Gewerbebereichen wie Großhandel, Logistik, Ver-und Entsorgung usw.. Die Wahl oder Empfehlung des für einen Betrieb geeigneten Standorts setzt auch eine Kenntnis der jeweiligen lokalen Situation voraus. Aus diesem Grund haben wir uns mit der Frage beschäftigt, welche Faktoren die Bekanntheit von Gewerbestandorten beeinflussen.

Mit dem von uns durchgeführten Gewerbeflächenmonitoring 2016, in dessen Rahmen über 100 Branchenexperten aus den Bereichen der öffentlichen Verwaltung, Privatwirtschaft, Wissenschaft und Wirtschaftsverbände befragt wurden, war es uns erstmals möglich, die Wahrnehmung der wichtigsten Berliner Gewerbegebiete systematisch zu erfassen. Im Zuge der Befragung hatten die Experten die Möglichkeit, aus ihrer Perspektive 24 Gewerbestandorte in Berlin hinsichtlich ihrer Bekanntheit zu bewerten (siehe Abbildung 1).

Bekanntheit verschiedener Gewerbestandorte in Berlin. Ergebnis des Gewerbeflächenmonitorings 2016 von regioconsult

Abb. 1: Der Bekanntheitsgrad von Berliner Gewerbestandorten

Um die Profilierungsaktivitäten in den genannten Standorten messbar machen zu können, haben wir auf der Basis der IHK-Standortanalyse vom Februar 2016  einen Profilierungsscore gebildet, der drei Aspekte zusammenfasst:

  • Die Ausprägung von lokalen Unternehmensnetzwerken gemessen an der Mitgliederanzahl,
  • die Betreuung durch ein (institutionalisiertes) Regionalmanagement,
  • die qualitative Einschätzung der Entwicklung eines erkennbaren Markenprofils für den Standort.

Dieser Profilierungsscore wird im nächsten Schritt dem Bekanntheitsgrad der Standorte gegenübergestellt (siehe Abbildung 2).

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Abb. 2: Korrelation zwischen Bekanntheitsgrad und Profilierungsstrukturen von Standorten

Dabei wird deutlich: Gewerbestandorte, die mindestens 45% der befragten Experten gut oder sehr gut bekannt sind, weisen einen überdurchschnittlich hohen Profilierungsscore von 3,9 – bei einem Durchschnittswert aller Standorte von nur 3,0 – auf. Dazu zählen acht Standorte: Technologiepark Adlershof, Südkreuz / EUREF, CleanTech Business Park, Motzener Straße, Schöneweide, Berlin TXL, Moabit West / Westhafen und Technologiepark Humboldthain. Entsprechend eindeutig ist das Bild auch bei den eher unbekannten Standorten, die lediglich maximal 25% der Experten gut oder sehr gut kennen: Diese sieben Standorte weisen einen Profilierungsscore von lediglich 1,1 auf. Dazu zählen die Gewerbegebiete Charlottenburger Chaussee, Flohrstraße / Breitenbachstraße, Flottenstraße, Teltowkanal, Schönerlinder Straße / Buchholz-Nord, Oranienburger / Quickborner Straße und BBI Business-Park. Der mit Abstand bekannteste Gewerbestandort, den 75% der Befragten gut oder sehr gut kennen, ist der Technologiepark-Adlershof. Gleichzeitig ist dies der einzige Standort mit dem maximalen Profilierungsscore von 6. Die Gewerbestandorte des Berliner Nordens (Flottenstraße, Oranienburger / Quickborner Straße und Flohrstraße / Breitenbachstraße) dagegen gehören zu den fünf unbekanntesten Standorten Berlins — lediglich 10-20% der Befragten bewerten deren Bekanntheitsgrad als gut oder sehr gut. Alle drei Standorte haben gleichzeitig den geringsten Profilierungsscore von 0.

Es besteht demnach eine deutliche Korrelation zwischen den Profilierungsaktivitäten und der Bekanntheit eines Gewerbestandortes. Entsprechende Maßnahmen wirken – dies gilt sowohl für Unternehmensnetzwerke, als auch für Maßnahmen im Rahmen von Regionalmanagements und für Profilierungsaktivitäten.

 

[1] Statistisches Bundesamt (2016): Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder VGRdL.

[2] Industrie- und Handelskammer zu Berlin (2016): Berliner Standorte für die Industrie von morgen. Kriterien und Vorschläge für ein Gesamtkonzept. Spree-Druck, Berlin.

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